Du kennst Dein Gesicht nicht

 
 
 

Du kennst Dein Gesicht nicht, wenn Du sprichst

Eine Kundin hat mir kürzlich einen Satz gesagt, der mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht. «Ich kenne mein Gesicht nicht, wenn ich rede.» Sie meinte es nicht als Bild. Sie meinte es genau so, wie sie es gesagt hat.

Wir kennen unsere Stimme, weil wir sie hören. Wir kennen unsere Gestik, weil wir uns manchmal im Video sehen. Aber unser Gesicht, während wir sprechen… das sehen wir nie. Genau dort entsteht ein blinder Fleck, den kaum jemand bei sich selbst vermutet.

Was meine eigene Umfrage zeigt

Ich habe das kĂĽrzlich in einer eigenen Umfrage ĂĽberprĂĽft. 55 Prozent der Teilnehmenden gaben an, sich mit Mimikresonanz auszukennen. 45 Prozent verlassen sich lieber aufs BauchgefĂĽhl. Zwei unterschiedliche Antworten, dachte ich zuerst.

Doch als ich die Kommentare las, drehte sich fast alles um dasselbe Thema… um das Gesicht des Gegenübers. Wie man es liest. Was es verrät. Kaum jemand schrieb über das eigene Gesicht.

Das ist kein Zufall. Unser Gehirn liest fremde Gesichter in Echtzeit, ständig und automatisch. Das eigene dagegen kaum. Wir überwachen also ununterbrochen die anderen und übersehen dabei, was unser eigener Ausdruck gerade sendet.

Warum das gerade Frauen in FĂĽhrung betrifft

Wer führt, wird genauer beobachtet. Der eigene Ausdruck wird strenger bewertet, als man es selbst tun würde. Das Gegenüber liest im Gesicht… Zweifel, Ungeduld, Anspannung… oft, bevor man die Emotion selbst überhaupt spürt.

Eine Kundin erzählte mir, wie ein einziges Feedback sie verändert hat. Man hatte ihr gesagt, sie wirke zu laut, zu dominant, sie nehme zu viel Raum ein. Sie zog sich zurück. Leisere Stimme, weniger Gestik, ein Gesicht, das kaum noch etwas zeigte. Das Resultat war keine Balance. Es war, dass man sie kaum noch wahrnahm.

Zwischen zu laut und zu leise lag keine Entwicklung. Nur ein Gesicht, das gelernt hatte, sich zu verstecken. Und das Gegenüber liest Distanz, ganz unabhängig davon, wie laut oder leise die Stimme dabei klingt.

Nervosität ist keine Schwäche

Eine Kundin mit über zwanzig Jahren Führungserfahrung hat mir einmal gesagt: «Ich bereite mich vor wie am ersten Tag. Und kurz bevor ich reingehe, klopft mein Herz.» Ich kenne das. Und ich glaube, die meisten Frauen in Führung kennen es auch, auch wenn kaum jemand darüber spricht.

Erfahrung verändert nicht das Herzklopfen. Sie verändert, was Du damit machst. Früher hat die Nervosität stumm gemacht. Heute lässt Du sie einfach da sein und sprichst trotzdem.


Der Fokus wird frei

Was aus all dem folgt, ist nicht «sei einfach Du selbst». Das wäre zu einfach und hilft niemandem wirklich weiter. Was daraus folgt, ist eine ganz konkrete Übung: Nimm Dich beim Sprechen auf. Schau Dir an, was Dein Gesicht tut, wenn Du zuhörst, wenn Du unter Druck stehst, wenn Du eigentlich ruhig bist.

Wer das eigene Gesicht kennt, muss sich im Gespräch nicht mehr selbst überwachen. Die Aufmerksamkeit wird frei für das, was eigentlich zählt. Für das Gegenüber, für den Ton im Raum, für das, was zwischen den Sätzen mitschwingt.

Das ist der eigentliche Gewinn dieser Arbeit. Nicht ein perfekteres Gesicht, sondern ein freierer Kopf.

Wann hast Du das letzte Mal bewusst wahrgenommen, was Dein eigenes Gesicht gerade zeigt?

Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, buche Dir gerne einen unverbindlichen Call. Ich freue mich auf den Austausch mit Dir.


Warum kennen wir unser eigenes Gesicht beim Sprechen nicht?

Wir hören unsere Stimme und sehen unsere Gestik, aber unser Gesicht während des Sprechens nehmen wir selbst kaum wahr. Dadurch entsteht ein blinder Fleck: Während wir die Mimik anderer Menschen automatisch lesen, übersehen wir oft, welche Signale unser eigener Gesichtsausdruck sendet.

Warum ist die eigene Mimik besonders in FĂĽhrungssituationen wichtig?

Menschen in FĂĽhrungspositionen werden besonders genau wahrgenommen. Der Gesichtsausdruck kann Zweifel, Anspannung oder Unsicherheit vermitteln, bevor man diese Emotionen selbst bewusst spĂĽrt. Bewusste Mimik hilft dabei, die eigene Wirkung klarer zu steuern.

Warum kann der Versuch, weniger dominant zu wirken, die eigene Präsenz schwächen?

Wenn Menschen nach kritischem Feedback versuchen, weniger Raum einzunehmen, reduzieren sie manchmal nicht nur Lautstärke oder Gestik, sondern auch ihren Ausdruck. Dadurch können sie weniger präsent wirken und vom Gegenüber schwerer wahrgenommen werden.

Ist Nervosität ein Zeichen von Unsicherheit oder mangelnder Erfahrung?

Nervosität bedeutet nicht, dass jemand unerfahren ist. Auch erfahrene Führungskräfte kennen Herzklopfen und Anspannung vor wichtigen Situationen. Der Unterschied liegt darin, wie man damit umgeht: Die Nervosität darf da sein, während man trotzdem präsent und handlungsfähig bleibt.

Wie kann man die eigene Wirkung beim Sprechen bewusster wahrnehmen?

Eine einfache Übung ist, sich beim Sprechen aufzunehmen und bewusst zu beobachten, was das eigene Gesicht in unterschiedlichen Situationen zeigt. Dadurch entsteht mehr Selbstwahrnehmung und weniger Selbstkontrolle im Gespräch.